Der von Aslan herausgegebene Band Zwischen Moschee und Gesellschaft problematisiert die Herausforderungen, denen sich eine islamische Theologie im europäischen Kontext gegenübergestellt sieht. Muslime sind größtenteils durch Migration geprägt, versuchen durch das Anlehnen an bekannte Traditionen ihre kulturelle und religiöse Identität zu bewahren und stoßen damit, mehr oder weniger offensiv, an Verständnisgrenzen westeuropäischer Sozialisation. Zugleich ist eine eher „islamunfreundliche Lage in Westeuropa“ zu beobachten.

Der Begriff Islamische Theologie selbst scheint fragwürdig zu sein, denn welche Theologie ist gemeint? Wie die christliche oder die jüdische Theologie ist auch die islamische nur als Plural zu begreifen, als Theologien. Und je nachdem, aus welcher Rechtsschule LehrerInnen oder Imame kommen, welche soziokulturellen Hintergründe mitgebracht werden, fällt der Umgang zwischen Tradition und europäischer Umwelt (hier konkret: Österreich) aus. Dabei bilden in Österreich 6.8% Muslime einen nicht zu vernachlässigen Teil der Gesamtbevölkerung, denn es handelt sich immerhin um rund 574.000 Menschen, die in Österreich leben. Diese Bevölkerungsgruppe, welche sich bei näherem Hinsehen in verschiedene Ethnien und damit in die unterschiedlichsten soziokulturellen Hintergründe differenziert, in Bezug auf ‚ihre’ Religion – ‚den’ Islam – zu vertreten, ist als solches schon ein nicht zu vollbringendes Unterfangen.

Dennoch, so zumindest der Expertenrat für Integration in seinem Bericht von 2013, ist die Etablierung einer islamisch-theologischen Ausbildung eine wichtige Voraussetzung für eine Integration von Muslimen in Österreich. Es geht dabei um nichts Geringeres als eine für die muslimische Bevölkerung sichtbare Repräsentation ihrer Religion in Schule, Ausbildung und Universität. Vor diesem Hintergrund entstand die Idee der Etablierung eines Doktorandenkollegs, welches sich zum Ziel setzte, Nachwuchskräften die Möglichkeit zu bieten, „sich intensiv mit den unterschiedlichen islamisch-theologischen Disziplinen auseinanderzusetzen“ sowie „für eine gleichwertige Qualifizierung [gleichwertig in Bezug auf andere Wissenschaften, TW] der Nachwuchskräfte an der Universität Wien“ zu sorgen. Der bei einer Stiftung eingereichte und genehmigte Antrag für das Doktorandenkolleg Islamische Theologie als Wissenschaft in Europa hat eine Laufzeit von insgesamt drei Jahren und bietet bis zu sechs Stipendiaten die Möglichkeit, im Rahmen einer Dissertation vertiefende Kenntnisse in den folgenden Schwerpunkten zu erlangen:

 

1) Genese und Exegese des Koran

2) Hadithwissenschaften: Genese und Exegese der Hadithe (Aussagen des Propheten)

3) Islamisches Recht und Integrationstheologie

4) Empirische Theologie und islamische Philosophie

5) Ideengeschichte des Islams und Islam in Europa

6) Islamische Religionspädagogik und Fachdidaktik

 

 DoktorandInnen

 

  • Khalid El Abdaoui

Zur Stellung des Kalām im "neuen" Kanon der islamischen Wissenschaften

  • Ranja Ebrahim

Schülerinnen und Schüler im Diskurs mit den Qurˈān: Chancen und Grenzen für einen zukunftsorientierten islamischen Religionsunterricht - Ein Handlungskonzept zum themenzentrierten Arbeiten anhand der Offenbarungsanlässe (asbāb an-nuzūl)

  • Ulvi Karagedik

 „Al-Kutub as-Sitta im Lichte von Religionsfreiheit - Zeitgenössische Aufarbeitung einer wichtigen theologischen Quelle des sunnitischen Islam“

  • Nadire Mustafi

 Der Islamische Staat - Entwicklung einer kontroversen Idee

  • Minela Salkic Joldo

Gotteskonzepte. Eine Studie zur theoretischen Modellierung und empirischen Erfassung von Gotteskonzepten bei muslimischen OberstufenschülerInnen im Raum Wien

  • Ahmed al Shafey

Die koranischen Erzählungen. Eine Quelle für einen zeitgemäßen Islamischen Religionsunterricht? Dargestellt am Beispiel von Muḥammed Aḥmed Ḫalafallāh