Rückblick "Mit der Zeit gehen"

21.02.2020

Dem Leitgedanken "Mit der Zeit gehen" folgend veranstaltete der Lehrstuhl für Alevitisch-Theologische Studien zwischen dem 5. und 7. Februar 2020 seine erste Fachtagung.

Dem Leitgedanken Mit der Zeit gehen (çağa ayak uydurmak) folgend, der in der oralen Tradition Imam Ali (7. Jh.) zugeschrieben wird, veranstaltete der im September 2018 an der Universität Wien gegründete Lehrstuhl für Alevitisch-Theologische Studien zwischen dem 5. und 7. Februar 2020 seine erste Fachtagung. Bei der Tagung eruierten Fachexpert*innen aus der Katholischen, Evangelischen und Islamischen Theologie auf der einen und Forscher*innen der Soziologie, Philosophie, Religions-, Geschichts- und Islamwissenschaft auf der anderen Seite die "Chancen und Herausforderungen einer Alevitischen Theologie in Europa".


Eröffnet wurde die Tagung mit den Grußworten des Bundesministers für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Univ.-Prof. Dr. Heinz Faßmann, der Dekanin der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät Univ.- Prof.in Dr.in Melanie Malzahn und dem Institutsleiter der Islamisch-Theologischen Studien Univ.-Prof. Dr. Zekirija Sejdini. Die öffentliche Keynote der Tagung hielt der Direktor des Orient-Instituts Istanbul, Univ.-Prof. Dr. Raoul Motika. Prof. Motika (Istanbul), der vor den etwa 80 Teilnehmenden zu dem Thema Überlebt das Alevitentum? Assimilation oder Integration und Selbstbehauptung. Das Alevitentum in der Türkei und Deutschland referierte, begann die Tagung.


Dem öffentlichen Teil der Tagung folgte ein zweitägiger geschlossener Workshop, bei dem über die disziplinarische Auffächerung der Alevitischen Theologie diskutiert wurde. Zu diesem Anlass wurden in vier thematisch aufgeteilten Panels jeweils Wissenschaftler*innen der Alevitentumsforschung und der "etablierten" Theologien zusammengebracht. Nach einem einleitenden Beitrag von Univ.-Prof.in Dr.in Handan Aksünger-Kizil (Wien) zur Einbettung der Alevitischen Theologie und Religionspädagogik innerhalb der religiösen Pluralisierungen in Europa sowie zur fachlichen Ausdifferenzierung wurde im ersten Panel anhand der Beiträge von Prof. Dr. Michael von Brück (München) und Dr. Cem Kömürcü (Bonn) über religionsästhetische und -philosophische Zugänge diskutiert. Im zweiten Panel griffen Dr. Cem Kara (Wien), Dr. Benjamin Weineck (Bayreuth) und Univ.-Prof. Dr. Erdal Toprakyaran (Tübingen) historische und quellenbasierte Ansätze auf. Diesem folgte ein drittes Panel zur religiösen Lyrik. Die Bedeutung der religiösen Dichtung im Alevitentum und ihre Operationalisierbarkeit für die Theologie(n) erörterten Hasret Tiraz, MA (Leipzig), PD. Dr. Michael Reinhard Heß (Gießen) sowie Ass.-Prof. Dr. Jakob Deibl (Wien). Im vierten Panel setzten sich Elif Yıldızlı-Uğurlu, MA (Münster), Dr.in des. Deniz Coşan-Eke (Wien) sowie Univ.-Prof. Kurt Appel (Wien) mit Prozessen der Vergemeinschaftung, Identitätsbildung und sozioreligiösen Ordnung auseinander. Abschließend resümierten die Critical Friends der Fachtagung, Univ.-Prof. Dr. Roman Siebenrock (Innsbruck) und Univ.-Prof. Dr. Thorsten Knauth (Duisburg-Essen), die Gesamtheit der Fachtagung und endeten mit Vorschlägen zur weiteren Vorgehensweise.


In der Abschlussdiskussion zeigte sich, dass für die Beheimatung einer Alevitischen Theologie an deutschsprachigen Universitäten im 21. Jahrhundert eine Verknüpfung von allgemeinen geistes-, kultur- und sozialwissenschaftlichen Methoden mit theologischen Fragestellungen notwendig ist. Für die Qualifikation von alevitischen Theolog*innen, Religionspädagog*innen, Seelsorger*innen und Gemeindemitarbeiter*innen sind alevitische Quellen und Traditionen in Geschichte und Gegenwart zu erforschen, zu lehren und in den gesamtgesellschaftlichen Dialog einzubringen. Hierfür gilt es interdisziplinär, reflexiv sowie genderspezifisch und vor allem "dialogorientiert" weiterzudenken. Ein Prozess, der mit wertvollen Kolleg*innen an der Universität Wien angestoßen wurde und fortgesetzt wird.

Bild: Veranstaltungsplakat mit einem Foto eines Türklopfers in Blumenform
Programm der Tagung